Der Hype um Claude – wir erklären euch alles

Es gibt Momente in der Tech-Branche, in denen ein Name in aller Munde zu sein scheint. Im Moment ist dieser Name Claude, die KI von Anthropic.

Ist dies der neue unangefochtene Champion der generativen künstlichen Intelligenz? Vielleicht. Oder vielleicht auch nicht. Denn in dieser Welt ändern sich die Verhältnisse schnell: Gestern sprachen viele nur von Gemini; davor von ChatGPT; morgen wird vielleicht ein anderer Akteur ins Rampenlicht treten.

Anstatt uns also allein von der Faszination des Augenblicks leiten zu lassen, sollten wir einen Schritt zurücktreten. Was bietet Claude eigentlich? In welchen Formen ist es verfügbar? Was verbirgt sich hinter Begriffen wie „Projects“, „Skills“ oder „agentische KI“? Und vor allem: Was ist davon aus Sicht des Unternehmens, der Sicherheit, der Governance und der Strategie zu halten?

Genau hier beginnt das eigentliche Thema.

Claude ist nicht „nur ein Chatbot“

Claude ist ein von Anthropic entwickelter Chatbot. Ihn jedoch auf eine einfache Chat-Oberfläche zu reduzieren, hieße, das Wesentliche zu übersehen.

Heute gibt es Claude in verschiedenen Formen. Es ist im Web, als Desktop-Anwendung für Mac und Windows sowie als mobile App für iOS und Android verfügbar. Anthropic bietet außerdem „Claude in Chrome“ an, eine Browser-Erweiterung, die an Ihrer Seite im Internet lesen, klicken und navigieren kann. Hinzu kommen Umgebungen, die eher auf fortgeschrittene Anwendungen ausgerichtet sind, wie Claude Code für Entwickler oder Claude Cowork, das für agentenbasierte Wissensarbeit konzipiert ist.

Mit anderen Worten: Claude ist nicht mehr nur ein Tool, mit dem man sich unterhält. Es handelt sich zunehmend um eine Arbeitsschicht, die Kontexte lesen, in Umgebungen agieren, Quellen bearbeiten, Schritte ausführen und manchmal sogar ein Ergebnis liefern kann.

Genau das schürt den aktuellen Hype: das Gefühl, dass wir von einer KI, die nur antwortet, zu einer KI übergehen, die sich aktiv einbringt.

Die verschiedenen Formate von Claude: Die Anwendungsbereiche richtig verstehen

Der Einfachheit halber lassen sich mehrere Ansatzpunkte unterscheiden.

  • Die erste und naheliegendste Möglichkeit ist Claude im Browser, also im Internet. Das ist die einfachste und universellste Art der Nutzung: für den Dialog, das Verfassen von Texten, die Analyse, das Brainstorming und die Zusammenfassung.
  • Die zweite Möglichkeit ist Claude Desktop. Hier kommt das Erlebnis dem Arbeitsplatz näher. Claude lässt sich für vielfältigere Anwendungsfälle nutzen, insbesondere wenn man Tools oder Kontextquellen damit verknüpft.
  • Die dritte ist Claude Mobile, die sich für den schnellen Einsatz unterwegs eignet und als persönlicher oder beruflicher Assistent dient.
  • Die vierte, neueste und grundlegendste Erweiterung ist „Claude in Chrome“. Die Erweiterung kann eine Seite lesen, Klicks ausführen, Felder ausfüllen, mehrere Tabs verwalten, Arbeitsabläufe speichern und sogar bestimmte wiederkehrende Aufgaben planen. Wir bewegen uns hier bereits nicht mehr im Bereich der einfachen Konversation, sondern betreten den Bereich der assistierten Aktionen im Browser.

Schließlich gibt es noch speziellere Varianten:

  • Claude Code, mit Schwerpunkt Softwareentwicklung;
  • Claude Cowork, ausgerichtet auf nicht-technische Wissensarbeit, mit einem klaren Versprechen: von einem Ziel ausgehen und den Agenten einen Teil des Weges selbst gestalten lassen.

Die entscheidende Frage lautet also nicht nur: „Ist Claude gut?“, sondern vielmehr: In welchem Anwendungsbereich, für welchen Beruf, mit welchem Maß an Eigenständigkeit, Kontrolle und Integration?

Projekte, Stile, Fähigkeiten: Wovon sprechen wir genau?

Genau hier beginnt oft die Verwirrung.

  1. Die Projekte

Projekte sind spezielle Arbeitsbereiche. Jedes Projekt verfügt über einen eigenen Konversationsverlauf, eine eigene Wissensdatenbank und eigene Anweisungen. Dort können Dokumente, Texte, Code und Dateien hinterlegt werden, um einen dauerhaften Kontext rund um ein Thema, einen Kunden, einen Geschäftsbereich oder einen Auftrag zu schaffen. Bei kostenpflichtigen Tarifen können Projekte auf RAG-Mechanismen zurückgreifen, um ihre Fähigkeiten zur Inhaltsverarbeitung zu erweitern.

Anders ausgedrückt: Ein Projekt ermöglicht es, den isolierten Chat hinter sich zu lassen und in eine kontextbezogene Arbeitsgedächtnislogik einzutreten.

  1. Die Stile

Anthropic unterscheidet zudem verschiedene Stile, mit denen sich die Ausdrucksweise von Claude individuell anpassen lässt: prägnanter, formeller, anweisender, lehrreicher usw. Die Stile ersetzen nicht die fachliche Substanz; sie bestimmen vor allem die Form der Antwort.

  1. Die Fähigkeiten

Der Begriff „Skills“ wird im KI-Ökosystem oft recht vage verwendet. Bei Anthropic legen wir Wert auf Präzision: Skills sind vor allem in Claude Code und im Agenten-/Entwickler-Ökosystem dokumentiert. Es handelt sich um Erweiterungen der Fähigkeiten, die auf strukturierten Anweisungen basieren und die Claude nutzen kann, wenn sie relevant sind, oder die explizit aufgerufen werden können. Kurz gesagt: Es handelt sich nicht um eine bloße Marketing-Spielerei, sondern um eine Möglichkeit, Claude für wiederverwendbare und spezialisierte Aufgaben auszustatten.

Die richtige Lesart lautet also wie folgt:

  • Projekt = Arbeitskontext,
  • Stil = die Art und Weise, wie man antwortet,
  • Skill = eine strukturierte und wiederverwendbare Fähigkeit, insbesondere in fortgeschrittenen Umgebungen

„Agentic“: ein Modewort, aber eine ernstzunehmende Idee

Der Begriff „agentisch“ taucht überall auf. Es lohnt sich, ihn näher zu erläutern.

Anthropic unterscheidet zwei Gruppen:

  • Workflows, bei denen die einzelnen Schritte im Voraus festgelegt werden;
  • Agenten, bei denen das Modell selbst dynamisch entscheidet, wie es seine Werkzeuge einsetzt und seine Handlungen miteinander verknüpft, um ein Ziel zu erreichen.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

In einem Workflow wird der Pfad festgelegt.
In einem Agenten wird vor allem das Ziel festgelegt.

Anthropic fügt jedoch eine wichtige Nuance hinzu: Je agentischer ein System ist, desto wichtiger ist es, die Einfachheit zu wahren, die einzelnen Schritte transparent zu gestalten und die Schnittstelle zwischen dem Agenten und den Werkzeugen sorgfältig zu gestalten. Mit anderen Worten: Autonomie entbindet niemals von der Notwendigkeit einer methodischen Vorgehensweise.

Genau deshalb fasziniert die Agent-KI so sehr: Sie verspricht einen Produktivitätssprung. Und genau deshalb gibt sie auch Anlass zur Sorge: Sie verlagert die Frage von „Was kann das Modell?“ hin zu „Was kann es in meiner realen Umgebung leisten?“

Sicherheit: weder ein blinder Fleck noch ein Marketingargument

In dieser Frage muss man objektiv sein.

Einerseits hebt Anthropic Aspekte hervor, die für Unternehmen beruhigend sind. In Bezug auf seine kommerziellen Angebote und seine API weist das Unternehmen darauf hin, dass Kundeneingaben und -ausgaben standardmäßig nicht zum Trainieren der Modelle verwendet werden. Es betont zudem, dass im Rahmen von „Claude for Work“ der Kunde die Datenkontrolle behält und Anthropic als Auftragsverarbeiter fungiert, um den Dienst bereitzustellen.

Anthropic veröffentlicht zudem ein Trust Center mit Nachweisen zur Compliance, darunter Verweise auf SOC-2-Typ-II-Berichte, CSA-STAR-Level-2-Berichte und eine ISO-27001-Zertifizierung.

Andererseits darf man sich jedoch keiner Naivität hingeben.

Sobald Claude in einem Browser mit Erweiterungen oder externen Tools arbeitet, entstehen neue Risiken: Eingabeaufforderungen, unbeabsichtigte Aktionen, die Offenlegung von auf dem Bildschirm sichtbaren Daten, die Ausbreitung von Fehlern oder sogar die Interaktion mit Drittanbieterdiensten, über die keine ausreichende Kontrolle besteht. Anthropic sagt es selbst: Für Claude in Chrome stellen Filter keine Sicherheitsbarriere dar, und die Nutzung agentischer Fähigkeiten im Browser erfordert echte Vorsicht.

Das Gleiche gilt für Remote-Konnektoren: Anthropic weist darauf hin, dass diese Claude mit beliebigen Diensten verbinden können, die nicht von Anthropic überprüft wurden, und dass daher nur vertrauenswürdige Konnektoren aktiviert werden sollten, wobei die erteilten Berechtigungen klar geregelt sein müssen.

Die richtige Schlussfolgerung lautet also weder „Claude ist gefährlich“ noch „Claude ist sicher“.

Die richtige Schlussfolgerung lautet: Claude kann in einem klar definierten Rahmen leistungsfähig sein – und in einem unklaren Rahmen problematisch.

Es geht nicht darum, „das beste Modell“ auszuwählen

Bei Darest IT&AI sind wir fest von einer einfachen Idee überzeugt: Eine Technologie, so leistungsstark und bahnbrechend sie auch sein mag, ist wertlos, wenn sie nicht an die individuellen Gegebenheiten jedes einzelnen Unternehmens angepasst wird.

Unserer Meinung nach entscheidet sich hier das Wesentliche.

Der Markt liebt Ranglisten, Benchmarks und direkte Vergleiche. Sie haben durchaus ihren Nutzen. Aber ein Unternehmen kauft sich keinen Platz auf dem Podium. Es baut sich eine Erfolgsgeschichte auf.

Heute scheint Claude bei bestimmten Anwendungen einen Schritt voraus zu sein. Gestern richtete sich die Aufmerksamkeit auf Gemini. Vorgestern drehte sich alles um ChatGPT. Und morgen? Das weiß niemand mit Sicherheit.

Die eigentliche Herausforderung besteht also nicht darin, einen Monatssieger zu küren.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, eine fundierte Entscheidung zu treffen, die auf das Geschäftsfeld, die bestehende Anwendungslandschaft, die Sicherheitsanforderungen, den Reifegrad des Unternehmens, die vorrangigen Anwendungsfälle und die langfristige Unternehmensstrategie abgestimmt ist.

  • Eine KI ohne kulturelle Anpassung führt zu Abhängigkeit.
  • Eine KI ohne Regulierung birgt Risiken.
  • KI ohne Change Management stößt auf Ablehnung.
  • Eine KI ohne strategische Ausrichtung sorgt für Aufregung, schafft aber selten einen Mehrwert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass

Der Hype um Claude ist nicht aus der Luft gegriffen. Er beruht auf echten Fortschritten: einer Vielfalt an Formaten, der Kontextualisierung über die „Projects“, wiederverwendbaren Funktionen in fortgeschrittenen Umgebungen, einem zunehmend konkreten agentenbasierten Ansatz und einem besser strukturierten Sicherheitskonzept als bei vielen anderen Akteuren.

Doch die Faszination für die Technik darf niemals an die Stelle des kritischen Urteilsvermögens treten.

Denn im Grunde geht es nicht nur um die Frage:
„Ist Claude beeindruckend?“

Die eigentliche Frage lautet:
„Wie kann ein Unternehmen diese Art von Technologie in einen nachhaltigen, kontrollierten und auf seine eigenen Ziele abgestimmten Mehrwert umwandeln?“

Hier beginnt nicht der Hype, sondern die ernsthafte Arbeit.

Fragen Sie sich, welchen Platz Claude, ChatGPT, Gemini oder andere KI-Systeme in Ihrem Unternehmen einnehmen?

Die richtige Wahl ist nicht die, die gerade im Trend liegt, sondern die, die zu Ihrer Strategie, Ihrer Sicherheit, Ihren Geschäftsbereichen und Ihrer internen Reife passt.